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Japan-EU-Jahr der Begegnung 2005

Japan-EU-Jahr der Begegnung 2005

 

Lippische Landeszeitung, 27.08.05

Kunstwerke zum Anziehen

Der Detmolder Peter Kollotzek sammelt Kimonos - und präsentiert sie in einer Ausstellung

Detmold. Peter Kollotzek hat sich für den LZ-Termin fein gemacht. Der Gymnasial-Lehrer öffnet die Tür aber nicht etwa in Anzug und Krawatte, sondern im Kimono. Denn Kollotzek ist seit gut fünf Jahren Sammler der japanischen Kleidungsstücke. Eine Auswahl seiner Schätze wird er nächste Woche bei den Bad Meinberger Kunst-, Kultur- und Geflügeltagen präsentieren.

 

Haute-Kimono-Couture: Peter Kollotzek, selbst im traditionellen japanischen Männergewand, präsentiert einen Hochzeitskimono, das Prunkstück seiner Sammlung. An der Wand hängt ein Kimono aus den 30er-Jahren.Foto: PreussVon Sabine Flamme-Brüne

"Ich dachte mir, ich zeige Ihnen gleich mal, wie so ein Kimono angezogen aussieht", sagt er zur Begrüßung. Und erklärt, dass das japanische "Kimono" ganz allgemein "Sache zum Anziehen" heißt.
Dass es jede Menge unterschiedlicher Kimonos gibt - je nach Anlass, Jahreszeit und gesellschaftlicher Stellung des Trägers - wird schon beim ersten Blick auf die 20 Kimonos umfassende Sammlung des Detmolders klar. "Man unterscheidet natürlich auch Herren- und Damen-Kimonos", sagt Peter Kollotzek. Diejenigen für die Damen sind oft herrlich bunt, die für die Herren in der Regel in den gedeckten Farben Schwarz, Grau und Dunkelblau gehalten. Aus Seide sind sie aber alle.
"Die traditionelle Damen-Kleidung besteht aus insgesamt etwa 20 Teilen - sie anzulegen, dazu braucht es schon mindestens eine Helferin", erklärt Peter Kollotzek. Und fügt schmunzelnd hinzu: "Da haben es die Männer wesentlich leichter: eine Art Karatejacke mit Gürtel, ein weiter Hosenrock, der angenehm luftig ist, darüber die Haori-Überjacke - fertig." Nicht zu vergessen die Tabi, weiße Socken mit abgeteiltem großen Zeh, damit man bequem in die Geta - Holzschuhe, die wie Flip Flops gemacht sind - schlüpfen kann.
"Der schlimmste Fehler, den man beim Anziehen des Kimonos machen kann, ist, wenn man die rechte Seite vor dem Bauch über die linke leg. Der Kimono muss immer links über rechts gelegt werden, sodass mit der rechten Hand ohne Probleme ein im Kimono versteckter Dolch oder ein an der linken Seite getragenes Schwert gezogen werden kann", sagt Peter Kollotzek lachend. Eine einfache Herrenausstattung kostet, wenn man sie in Japan "von der Stange" kauft, etwa 400 bis 600 Euro, weiß Kollotzek. Die aufwändigen Damen-Kimonos sind um ein Vielfaches teurer. Die Kimonos, die Peter Kollotzek in seiner Sammlung hat, sind allesamt von Hand gearbeitet. Sie sind aus bemalter und bestickter Seide, und keiner der millimetergroßen Stiche ist von einer Maschine genäht worden.
"Wollte man die Kimonos extra anfertigen lassen, würde das ein Vermögen kosten", sagt der Sammler. Er hat einen anderen, preisgünstigeren Weg gefunden: Nach und nach hat Kollotzek gebrauchte Kimonos übers Internet erworben. "Wenn in Japan jemand stirbt, dann werden seine Kimonos nicht von den Angehörigen aufgetragen - das tut man einfach nicht", erklärt Kollotzek. Gegen den Verlauf der guten Stücke spricht allerdings nichts - ein Glück für den Sammler.
Das Prunkstück seiner Sammlung ist ein Hochzeits-Kimono aus schwerem, brokat-ähnlichem Stoff. "Ein solches Stück herstellen zu lassen, das kann sich kaum jemand leisten. Also leiht man es für den großen Tag einfach aus", sagt Kollotzek. Auch das ist nicht gerade billig: Weil der Kimono perfekt passen soll, muss er für die Trägerin geändert werden. Kostenpunkt: etwa 4000 Euro. Ein Klacks allerdings verglichen mit dem zehn Mal höheren Preis für den eigenen Hochzeits-Kimono.
Japaner legen viel Wert auf Tradition: An Festtagen trägt man im Land der aufgehenden Sonne Kimono. Ebenso zu allen buddhistischen und shintoistischen Feiern. Aber auch im Alltag sieht man viele Japaner mit Kimono. "Wer mit Kimono durch die Stadt geht, darf umsonst U- und S-Bahn benutzen", hat Kollotzek mit Verwunderung feststellen können.
"Damen-Kimonos sind Kunstwerke" Peter Kollotzek
Wie der Sammler zu seinem Hobby gekommen ist, erklärt er so: "Ich habe vor einigen Jahren mit Kyudo, dem japanischen Bogenschießen, begonnen. Irgendwann wollte ich die dazugehörige Kleidung haben und kam so zu meinem ersten Kimono. Weil aber die Damen-Kimonos im Vergleich zu denen der Herren wahre Kunstwerke sind, begann ich mich dafür zu interessieren - und damit war die Sammel-Leidenschaft nicht mehr zu stoppen."
Wie es der mit 190 Zentimetern Körperlänge im Vergleich zu jedem Japaner riesenhafte Detmolder schafft, für sich passende Kleidung zu finden, das verrät er mit einem Augenzwinkern: "Ich muss die Größe für Sumo-Ringer nehmen - was anderes bleibt mir nicht übrig."








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